„Sie sollten Ihre Erlebnisse einem Tagebuch anvertrauen“. Das stand diese Woche in meinem Horoskop. Auch wenn ich in der Regel nicht so viel darauf gebe, was die Sterne sagen und ich mich sowieso eher über Liebesglück oder beruflichen Erfolg gefreut hätte, so erinnerte es mich doch daran, dass ich seit längerem hier mal wieder etwas posten wollte.
Da trifft es sich gut, dass letzten Dienstag die letzte Sitzung im Seminar „Medienrecht“ und somit auch die letzte Erhebung im Rahmen meiner begleitenden Untersuchung stattfand. Höchste Zeit also, mal über den Seminarverlauf zu reflektieren.
Rahmenbedingungen: Das Seminar fand im 4. Semester des Studiengangs „Medien- und Bildungsmanagement“ statt und wurde von insgesamt 23 Studierenden besucht. Neben 2 SWS Präsenzlehre waren jeweils noch 4 SWS Selbstlernphase als Rahmenbedingungen vorgegeben. Hierzu setzte ich neben der wöchentlichen Veranstaltung seminarbegleitende Weblogs ein. Diese sollten den Studierenden als Plattform dienen, um über eigene Erlebnisse zu berichten, aber auch um die Lösungen zu den gestellten Fallaufgaben mit ihren Kommilitonen zu diskutieren. Die Inhalte der Weblogs gingen letztlich nicht in die Endbenotung ein.
Seminarinhalte und Seminarverlauf: Bei der Strukturierung des Seminars habe ich mich relativ eng an die Gliederung von Frank Fechners Lehrbuch zum Medienrecht gehalten. Zum einen, weil dort ein sehr breites Themenspektrum abgedeckt wird und zum anderen, weil ich während meines Studiums an der TU Ilmenau bei ihm Medienrecht hatte und das Vorgehen damals als sinnvoll empfand. In den ersten Terminen ging es um allgemeine Bereiche des Medienrechts (Mediengrundrechte, Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Jugendschutz, etc.), in den späteren Veranstaltungen wurden dann Rundfunk, Presse, Film und Multimedia näher behandelt. Bei der abschließenden Feedbackrunde fanden die Studierenden sowohl die Gliederung als auch die inhaltliche Breite sehr gut, wobei es zeitlich gegen Ende schon knapp wurde. Während der Veranstaltungen fiel mir auf, dass die Studierende durchaus an den Themen interessiert waren, es aber mit der Zeit immer recht laut wurde. Das war auch einer der am öftesten geäußerten Kritikpunkte und ich hätte hier vielleicht konsequenter durchgreifen sollen. Zwar versuchte ich die Studierende möglichst oft in die Seminargestaltung einzubeziehen, aber irgendwie half auch das nicht. Für das nächste Mal muss ich mir hier vielleicht ein neues Konzept überlegen, wie ich das doch recht trockene Thema besser vermitteln, die Studierenden noch mehr einbeziehen und dennoch alle Inhalte behandeln kann.
Weblogeinsatz: Wie bereits erwähnt, sollten die Weblogs zum einen für die Studierende als persönliches Portfolio dienen, zum anderen aber auch als Diskursplattform, um über die Fallbeispiele zu diskutieren. Dies geschah jedoch nicht in dem erhofften Maße. Zum einen war es sicher ungeschickt, dass ich den Studierenden in der ersten Sitzung mehrere Blog-Anbieter nannte und somit verschiedene genutzt wurden. Dies machte die Vernetzung etwas komplizierter. Zum anderen nannten die Studierenden als Grund, dass das Bloggen zu zeitaufwendig wäre. Da die Blogbeiträge nicht in die Endnote mit einflossen, investierten sie die Zeit lieber in andere Projekte. Ein Studierender sagte hingegen, dass Bloggen für ihn eher eine Freizeitaktivität sei und der verpflichtende Einsatz ihm eher die Lust daran genommen habe. Hier werde ich auch nochmals genauer darüber nachdenken müssen und hoffe, dass die Auswertung der Befragungen mir weitere Aufschlüsse gibt.
Seminarbegleitende Studie: Da ich mich im Rahmen meiner Dissertation vor allem mit den Auswirkungen des Weblogeinsatzes in der Schule auf die Motivation und Reflexion der Schülerinnen und Schüler beschäftige, habe ich das Seminar als Anlass genommen, um mir in einer Vorstudie anzuschauen, wie sich das Bloggen auf die Parameter der Selbstbestimmungstheorie nach Deci und Ryan im zeitlichen Verlauf auswirkt und ob es hier eventuell „kritische“ Phasen im Seminarverlauf gibt, auf die der der Lehrende durch gezielte Unterstützung reagieren sollte. Hierzu wurden die Studierenden zu vier Zeitpunkten (etwa alle 4 Wochen) befragt. Als Grundlage für die Fragebögen wurden die Basic Psychological Needs Scales verwendet und um die Skala zum Interesse aus dem Intrinsic Motivation Inventory (jeweils bezogen auf Weblogs und das Themengebiet Medienrecht) sowie eigene Items ergänzt. Sobald ich die Daten ausgewertet habe, werde ich an dieser Stelle nochmals genauer darüber berichten.
Fazit und erste Überlegungen: Dafür, dass es das erste Seminar war, das ich in dieser Form gestaltet habe, bin ich recht zufrieden. Auch die Rückmeldung der Studierenden war ganz okay. Allerdings gibt es auch noch einige Dinge, die verbessert werden können. Zum einen überlege ich, ob es nicht sinnvoller wäre, nächstes Mal die wöchentliche Veranstaltung durch ein Tutorium zu ergänzen, in dem die Fallbeispiele gemeinsam bearbeitet werden. Dies ließe auch zeitlich mehr Spielraum, um die Studierenden aktiver in die Seminargestaltung mit einzubeziehen. Eine Reduzierung der Inhalte erachtete die Mehrheit nämlich in der Feedbackrunde für nicht sinnvoll. Im Gegenteil, einige fänden ein begleitendes Tutorium nützlich, um die Themen anhand weiterer Praxisbeispiele zu verdeutlichen und zu vertiefen. Zum anderen muss ich auch den Einsatz der Weblogs nochmals überdenken. Eventuell wäre ein einzelner Seminarblog, in dem alle Teilnehmer Beiträge veröffentlichen können, besser und würde das Aufkommen von Diskussionen fördern. Auf jeden Fall sollten das nächste Mal alle Blogs bei einem Anbieter gehostet werden, um die Vernetzung zu vereinfachen. Unschlüssig bin ich mir auch, ob die Blogbeiträge in die Benotung einfließen sollten. Sicher wäre das Engagement dann deutlich höher, auf der anderen Seite soll das Seminar unter anderem dazu ermuntern, erste Erfahrungen mit dem Medium zu sammeln und gegebenenfalls Lust am Bloggen wecken. Extrinsische Motivation finde ich hier eher kontraproduktiv, zumal auch die Studierende sehr unterschiedliche Vorerfahrungen mit Web-2.0-Tools haben. Einigen wird das Bloggen und die Bloggestaltung daher leichter fallen als anderen, was gerade bei den „Unerfahrenen“ wieder Frustration hervorrufen könnte. Also, noch einige offene Punkte, aber bis zum nächsten Sommersemester ist ja noch etwas Zeit
Falls jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder sonstige Ratschläge hat – Kommentare sind wie immer erwünscht. Also, was denkt ihr dazu?