Ist Medienkompetenz ein Selbstläufer?

2010/03/09

“Medienkompetenz erlangt man, indem man die Medien benutzt. Da brauche ich keine Theorie, keinen Lehrstuhl, keinen Mentoren, keinen Warner, keinen Ernstdreinblickenden. Auch das Fahrradfahren habe ich learning by doing gelernt.”

Mit diesen Worten beginnt Jean-Pol Martin seinen heutigen Weblogbeitrag. Und dabei beschäftigte mich mal wieder die Frage, die mir auch bereits bei einigen Aussagen in der Diskussion um das Konzept der Digital Natives durch den Kopf ging: Ist Medienkompetenz ein Selbstläufer?

Meine Antwort gleich vornweg: Ich denke nicht.

Es kommt hier sicher stark auf das Verständnis von Medienkompetenz an. Versteht man darunter lediglich die Handhabung von Medien – also „wie lese ich eine Zeitung“, „wie bediene ich einen Computer“ – so mag es durchaus stimmen, dass es zur Aneignung dieser Fähigkeiten keines Mentors bedarf. Wenn man jemanden lange genug vor den Rechner sitzt, so wird er mit der Zeit intuitiv von selber herausbekommen, wie man das Gerät anschaltet, die Maus bedient und einzelne Programme startet. Aber ist das wirklich bereits ein kompetenter Umgang mit den Medien (auf den Begriff Medienkompetenz will ich hier bewusst verzichten)? Ich denke nicht. Eine kompetente Mediennutzung zeichnet sich für mich vielmehr dadurch aus, dass jemand in der Lage ist verschiedenste Medien kritisch hinsichtlich ihrer Potentiale und Gefahren einzuschätzen, für bestimmte Zwecke begründet die effektivsten Medien auswählt und diese für seine persönlichen Belange nutzt. Und diese Fähigkeit entwickelt sich sicher nicht von selbst, sondern bedarf eines gewissen Trainings und eben auch Mentoren und Warner, die Unterstützung anbieten und diesen Trainingsprozess begleiten. Das Fahrradfahren habe ich persönlich auch nicht allein „by doing“ gelernt. Wie man in die Pedale tritt und das Gleichgewicht hält durchaus – letzteres sogar öfters recht schmerzlich – aber wie ich sicher durch den Verkehr komme, auf welcher Straßenseite ich fahre, etc., das haben mir Mentoren – erst meine Eltern, später die Verkehrserziehung in der Schule – beigebracht.

Ich denke kompetente Mediennutzung ist eben kein Selbstläufer und es Bedarf der Unterstützung von erfahrenen Mentoren, seien es Lehrer, Lehrstuhlinhaber, die Eltern oder Freunde und Bekannte. Und es ist meines Erachtens durchaus zu begrüßen, dass versucht wird den Trainingsprozess effizient und effektiv zu gestalten. Hierzu ist es auch nötig, dass dieser evaluiert wird und hierfür bedarf es eben auch entsprechender Evaluatoren. Ob dies nun immer gleich in einem eigenen Lehrstuhl enden muss, kann durchaus bezweifelt werden, aber Lernbegleiter sind für mich auch im Bereich der Mediennutzung unabdingbar. Ich denke, dass Jean-Pol Martin dies nicht anders sieht, denn in den Kommentaren verweist er dann auch darauf, dass es reflektierender Praktiker bedarf. Aber für einen mal eben „zwischen Frühstück, Süddeutsche Zeitung, Donau Kurier, und Forschung, Forschung, Forschung…“ geschriebenen Beitrag, hat er mich doch sehr beschäftigt.

Bildquelle: Flickr (Fotograf: Gerd2007)


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