Interviewereffekte bei Schülerbefragungen

2011/11/29

In den letzten Wochen habe ich mich nochmals intensiver mit den im Rahmen meiner Dissertation durchgeführten Interviews beschäftigt. In dem Zusammenhang führten eine Kollegin und ich mit Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 7 und 8 Einzelgespräche, wobei als Orientierung zwar ein Leitfaden verwendete wurde, die Interviews jedoch kaum standardisiert abliefen.

Bereits bei der Vorbereitung auf die Gespräche hatten wir bedacht, dass die Person des Interviewers einen Einfluss auf den Gesprächsverlauf und vor allem das Antwortverhalten der Jugendlichen haben könnte. Entsprechend haben wir uns in den jeweiligen Interviews darauf konzentriert Fragen möglichst neutral zu stellen und auch bei Nachfragen keine Anworttendenz nahezulegen. Außerdem wurden die Schülerinnen und Schüler zu Beginn nochmals darauf hingewiesen, dass es bei den Fragen keine richtigen oder falschen Antworten gibt, sondern ihre persönliche Meinung interessant für uns sei.

Dennoch fiel mir schon bei der Transkription der Mitschnitte auf, dass viele Jugendliche im Verlauf des Interviews teilweise gegensätzliche – oder zumindest stark abweichende – Aussagen zu ein und demselben Sachverhalt machten. Daher schaute ich mir auch die Fragen der Interviewer nochmals genauer an. Allerdings konnte ich hier keine Auffälligkeiten oder gar tendenziöse Formulierungen erkennen. Von daher frage ich mich jetzt schon, wie es sich erklären lässt, dass einige Schülerinnen und Schüler innerhalb von 10 Minuten ihre Meinung so deutlich verändert haben?

Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass sie sich im Vorfeld der Interviews über die angesprochenen Aspekte noch keine Gedanken gemacht und entsprechend keine gefestigte Meinung zu diesen Sachverhalten hatten. Im Meinungsbildungsprozess kann es ja durchaus vorkommen, dass man seine Meinung ändert. Wenn das Thema dann in relativ kurzer Zeit mehrfach im Gesprächsverlauf auf den Tisch kommt, fallen die Antworten entsprechend unterschiedlich aus. Allerdings würde ich einen solchen Prozess eher bei kontroversen Fragestellungen vermuten, jedoch weniger bei der persönlichen Einschätzung der letzten Unterrichtseinheit oder Fragen zur allgemeinen Vorbereitung auf die Schulstunden.

Eine andere Erklärung könnte sein, dass die Fähigkeit eigene Meinungen zu präzisieren und zu verbalisieren bei Kindern im Alter von 13 bis 14 Jahren noch nicht so stark ausgeprägt ist, dass sie diese auch in einer solchen Gesprächssituation standhaft vertreten können. Für die meisten Schülerinnen und Schüler dürften die Interviews eine neue oder zumindest ungewohnte Situation sein. Dass hier Nervosität eine Rolle spielt ist nachvollziehbar. Wenn dann die einzige – mir fremde – Person im Raum noch Nachfragen stellt, könnte dies durchaus einen einschüchternden Einfluss haben und zu entsprechendem Antwortverhalten führen. Zumindest erscheint mir diese Erklärung bei den in diesen Interviews behandelten Themen plausibler als nicht abgeschlossene Meinungsbildungsprozesse.

Jetzt stellt sich die Frage, wie man dies künftig verhindern könnte? Wäre ein Gruppeninterview – mit allen Vor- und Nachteilen die dieses Gesprächsformat mit sich bringt – eventuell geeigneter, um Jugendliche in diesem Alter zu befragen? Oder verschlimmert die Anwesenheit der Peers das Problem womöglich noch zusätzlich?

Falls jemand ähnliche Feststellungen bei der Durchführung von Schülerinterviews gemacht hat, beruflich mit Kindern in Kontakt ist oder weiterführende Quellen zum Thema „richtige“ Befragungsform für gewisse Altersgruppen kennt, würde ich mich über einen Kommentar oder Kontaktaufnahme freuen.

Bildquelle: Flickr (Fotograf: Roberto Verzo)


Lehrerinnen und Lehrer für wissenschaftliche Untersuchung zum Einsatz von Weblogs gesucht

2010/03/22

Update:

Zunächst einmal vielen Dank an alle, die mir geholfen haben dieses Hilfegesuch soweit zu streuen. Sei es via Twitter, Links oder persönliche Kontakte. Das Interesse bei den Lehrerinnen und Lehrern – vor allem in den letzten beiden Wochen – hat mich doch positiv überrascht.

Da das aktuelle Schuljahr bereits weit fortgeschritten und auch meine Kapazitäten begrenzt sind, ist nun der Fall eingetreten, dass ich in diesem Schuljahr keine weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehr in die Untersuchung aufnehmen kann. Ich habe mich allerdings entschieden im kommenden Schuljahr eine zweite Runde zu starten, um zum einen allen Interessenten, die sich bei mir gemeldet haben, die Möglichkeit zu geben mitzumachen und zum anderen die interne Validität meiner Untersuchung zu verbessern. Einen entsprechenden Aufruf werde ich frühzeitig wieder hier im Weblog starten. Wer aber jetzt schon Interesse verspürt bei der zweiten Runde dabeizusein, soll nicht zögern sich mit mir in Verbindung setzen. Man kann ja bekanntlich nie früh genug mit der Planung beginnen :)

Nochmals vielen Dank für die Unterstützung!


Nachdem die theoretischen Vorbereitungen abgeschlossen sind, soll mein Dissertationsvorhaben nun endlich in die praktische Phase starten. Geplant ist eine wissenschaftliche Untersuchung zum Einsatz von Weblogs in der Klassenstufe 8 an Baden-Württembergischen Realschulen durchzuführen.  Hierzu suche ich aktuell noch Lehrerinnen und Lehrer, die bereit wären mit ihren Klassen daran teilzunehmen.

Konkret geht es darum, dass die Schülerinnen und Schüler während einer Phase von vier Wochen begleitend zum Unterricht mit einem Weblog arbeiten sowie insgesamt dreimal einen Fragebogen ausfüllen. Nach den vier Wochen würde ich dann gerne sowohl mit den Lehrerinnen und Lehrern als auch einigen Schülerinnen und Schülern ein kurzes Interview führen.

Solltet ihr also aktuell eine 8. Klasse an einer Realschule in Baden-Württemberg unterrichten und wollt euren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, Erfahrungen mit Weblogs zu sammeln, dann würde ich mich freuen, wenn ihr euch bis zum 15. April einfach unverbindlich mit mir in Verbindung setzt. Entweder per Kommentar oder auf einem der unter Kontakt und im Impressum angegebenen Wege. Ich stelle euch dann mein Vorhaben gerne genauer vor und beantworte eure Fragen.

Falls ihr jetzt entweder nicht als Lehrperson in einer 8. Realschulklasse tätig seid oder kein Interesse an einer Teilnahme habt, ihr allerdings jemanden kennt, auf den beides zutrifft, dann leitet ihm doch bitte den Link zu diesem Beitrag oder untenstehenden Aushang zum Downloaden, Ausdrucken und Weitergeben weiter. Vielen Dank für eure Unterstützung!

Download ohne Slideshare-Account:
Aushang “Lehrerinnen und Lehrer für wissenschaftliche Studie gesucht”
[pdf-Dokument]


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