Bereits vor zwei Wochen startete das Medienrecht-Seminar an der PH Weingarten. Auch in diesem Jahr möchte ich den Studierenden wieder die Gelegenheit geben, nicht nur medienrechtliche Grundlagen kennen zu lernen, sondern auch Erfahrungen mit dem Einsatz von social software zu sammeln.
Im vergangenen Jahr setzte ich hier ausschließlich auf Weblogs, in denen die Studierende ihren individuellen Lernprozess dokumentierten, Fallaufgaben bearbeiteten und diese diskutieren sollten. Über meine persönlichen Eindrücke und die Rückmeldungen der Studierende hatte ich damals hier berichtet. Die Dinge, die mir nachhaltig als optimierungsbedürftig in Erinnerung geblieben sind, sind zum einen die Lautstärke in den Veranstaltungen sowie der Austausch in den Weblogs. Auch das Training des medienrechtlichen Argumentierens kam – nach Lektüre der Projektberichte – offensichtlich etwas zu kurz. Aus diesem Grund habe ich mir für dieses Jahr ein neues Konzept überlegt, von dem ich mir bei diesen Punkten Verbesserungen verspreche und dessen zentrale Aspekte ich hier gerne zur Diskussion stellen würde:
1. Individuelle Aneignung der Grundlagen – kollektive Anwendung
Hatten die Seminartermine im vergangenen Jahr noch überwiegend Vorlesungscharakter, so soll sich das dieses Jahr komplett ändern. Für das Thema Medienrecht gibt es mit dem Lehrbuch von Frank Fechner eine wirklich sehr ausführliche und gute Grundlagenliteratur, an der auch ich mich bei meinen Ausführungen eng anlehnte. Anstatt die dort beschriebenen Inhalte auf Powerpoint-Folien zu bringen und den Studierenden vorzutragen, sollen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Jahr individuell durch das Lesen einzelner Abschnitte auf die Seminarsitzungen vorbereiten, so dass die Treffen dazu genutzt werden können, noch offene Fragen im Plenum zu diskutieren und zu beantworten. Die anschließend noch verbleibende Zeit soll zur gemeinsamen Einübung der (medien-)rechtlichen Argumentationsweise anhand konkreter Fallbeispiele genutzt werden. Ich vermute, dass dies in einer Präsenzveranstaltung in der Gruppe besser gelingt, als es durch die nachträglich individuelle Fallbearbeitung und Diskussion in den Weblogs gelungen ist. Außerdem dürfte die stärkere Involvierung der Studierende in die Diskussion sich auch positiv auf die Aufmerksamkeit auswirken.
2. Kreative Auseinandersetzung mit den Lerninhalten
Eine weitere Neuerung ist die Vorgabe, dass jede Seminarsitzung von einem Team aus zwei Studierenden vorbereitet wird. Hierzu erstellen diese einen Blogbeitrag, der auch als Ankerpunkt für die Sammlung noch offener Fragen der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer dient. In dem Beitrag soll jedoch nicht nur der gelesene Text aus dem Lehrbuch zusammengefasst, sondern durch ein Lernartefakt dargestellt werden. Die Studierende sollen sich also kreativ mit dem Gelernten auseinandersetzen, indem sie ein Bild malen, ein Foto machen, Audiobeiträge aufzeichnen, ein kurzes Video produzieren oder ansonsten etwas schaffen, dass sie mit den Lerninhalten in Verbindung setzen. Dass Lernartefakte zu einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema und besseren Lernleistungen führen können, ist in der Bildungsforschung nichts Neues. Ich denke, im Fall von Medienrecht ist es darüber hinaus eine gute Möglichkeit, die doch recht trockenen Inhalte etwas lebhafter zu vermitteln. Auf die Idee kam ich übrigens durch diesen Jura-Rap von Prof. Berger.
Das ist natürlich ein extrem gelungenes und professionelles Beispiel. Ich bin mal gespannt, was bei unserem Seminar so alles an kreativen Produkten entsteht.
3. Einer für alle, alle für einen
Anstelle der individuellen Studierendenweblogs, werden wir dieses Jahr alle in einem gemeinsamen Seminarweblog arbeiten. Die einzelnen Arbeitsgruppen stellen hier ihre Ausarbeitungen und Lernartefakte zur Diskussion. Darüber hinaus kann jeder Studierende individuell diese Plattform nutzen, um seminarbezogene Beiträge zu publizieren und Feedback einzufordern. Auch noch unklare Punkte und offene Fragen sollen hier in den Kommentaren zur jeweiligen Seminarsitzung gesammelt, angesprochen und bestenfalls bereits im Vorfeld debattiert werden. Ich verspreche mir hierdurch einen intensiveren Austausch und eine effektivere Zusammenarbeit zwischen den Seminarteilnehmern.
4. Einbezug von Twitter
Medienrecht ist ein sehr breites und vor allem in ständigem Wandel befindliches Themengebiet. Nahezu täglich finden sich in der Medienberichterstattungen Mitteilungen zu Gerichtsurteilen mit Bezug zum Medienrecht – zum Beispiel hier, hier oder hier – oder zu Debatten – etwa aktuell hier zum Jugendmedienschutzstaatsvertrag – die durchaus zum besseren Verständnis des Themas beitragen können, jedoch nicht immer eines eigenständigen Weblogbeitrags bedürfen. Um schnell und einfach auch auf solche Fundstücke sowie neue Einträge im Weblog hinweise zu können, werde ich dieses Jahr auch verstärkt Twitter als Mitteilungskanal im Seminar einsetzen und auch versuchen die Studierende zu animieren, diesen zur Vernetzung und zum informellen Austausch zu nutzen. Für alle die sich ebenfalls einbringen möchten, der Hashtag ist #mrsose10.
Neben diesen Änderungen bleiben aber einige altbewährte Dinge bestehen. Zum einen die Nutzung der studiengangsinternen Lernplattform DLS zum Austausch von organisatorischen und teilweise vertraulichen Informationen, wie Raum- und Terminverschiebungen, die Veröffentlichung der Klausurergebnisse oder die Bereitstellung von internen Formularen. Zum anderen können sich die Studierende auch weiterhin jederzeit per Mail an mich wenden, um Probleme oder Anliegen zu besprechen, die nicht die gesamte Seminargruppe betreffen.
Ich freue mich schon auf das Seminar und bin gespannt, ob sich das Konzept bewähren wird. Auch dieses Jahr werde ich die Veranstaltung und vor allem den Medieneinsatz durch zwei Befragungen evaluieren. Mal sehen, was ich dann im August hier berichten kann.
Soweit zu meinen Vorüberlegungen. Für eure Einschätzung und Verbesserungsvorschläge bin ich wie immer sehr dankbar. Ansonsten fühlt euch frei auch ab und an im Seminarblog vorbeizuschauen oder euch per Twitter in den Diskurs rund um die Veranstaltung einzubringen. Mich – und sicher auch die Studierende – würde es freuen.
Verfasst von crossyard