Heute habe ich den sonnigen Nachmittag genutzt, um im Stadtpark – fernab von Computer und Internet – meinen Stapel mit noch zu lesender Literatur ein wenig abzuarbeiten.
Als erstes nahm ich mir die (soweit ich weiß bisher noch) unveröffentlichte Examensarbeit von Anna Folke, einer Absolventin hier von der PH Weingarten, vor. Diese trägt den Titel „Der Einsatz von Web2.0 im Englischunterricht. Durchführung und Evaluation einer Unterrichtseinheit“.
Zunächst geht die Autorin darin allgemein auf den Begriff des Web 2.0 und verschiedene Anwendungen ein, bevor sie mögliche Einsatzszenarien und Potentiale für deren Nutzung im Schulunterricht erläutert. Anschließend beschreibt sie ihre Erfahrungen beim Einsatz eines Weblogs im Englischunterricht der 10. Klasse an einer Hauptschule.
Von der theoretischen Seite brachte mir die Lektüre keinen neuen Erkenntnisse, aber einige Literaturhinweise fand ich interessant (auch wenn sich diese größtenteils speziell auf den Sprachunterricht beziehen). Vor allem folgende vier Beiträge werde ich mir nochmals näher anschauen:
- Dorok, S. (2006). Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Podcasts als Methode zur Verlagerung von Hörverstehens- und Sprachproduktionsaufgaben in die Hausaufgaben der Klasse 8b des Mariengymnasiums Arnsberg. [PDF]
Frage: Inwieweit kann mittels Web 2.0-Tools eine Brücke zwischen Lernen in der Unterrichtsstunde und informellem Lernen zu Hause geschlagen werden? Inwieweit biete dies den Schülern die Möglichkeit, das Lerntempo an ihre Bedürfnisse anzupassen? - Meister, D. & Meise, B. (2008). Medienkompetenz als lebenslange Herausforderung. In: Deutsche UNESCO-Kommission e.V. (Hrsg.). UNESCO heute. Wissen im Web, Heft 1/2008.
Frage: Inwiefern ändern sich durch den Einsatz von Web 2.0-Tools auch die Anforderungen an die Kompetenz der Nutzer? - Röll, M. (2005). Corporate E-Learning mit Weblogs und RSS. Handbuch E-Learning. [PDF]
- Sharma, P. & Barett, B. (2007). Blended Learning. Using Technology in and beyond the Language Classroom. Oxford: Macmillan Education.
Spannender fand ich die Reflexionen über die durchgeführte Unterrichtseinheit. Hier erhielt ich einige Anregungen und Ideen, die ich für die Durchführung meiner Untersuchung in der Schule im Hinterkopf behalten sollte. Daher will ich diese hier kurz stichpunktartig festhalten:
- Nach Möglichkeit das Vorhaben persönlich auf einem Elternabend vorstellen und um Unterstützung bitten (anstatt eines Elternbriefs).
- Bedenken, dass trotz alle Berichte über die „digital natives“ scheinbar oftmals noch Probleme beim Einrichten der Zugänge auftreten, weil Schüler entweder keine Emailadresse haben oder ihre Zugangsdaten nicht mehr wissen. Außerdem sicherstellen, dass allen Schülern ein Internetzugang zur Verfügung steht, was wohl zu Hause auch nicht selbstverständlich ist.
- Zur Unterstützung der Schüler Anleitungen zum Umgang mit dem Weblog (Veröffentlichen von Beiträgen, Einbinden von Bildern und Videos, etc.) als Download zur Verfügung stellen.
- Mit den Schülern Umgangsformen beim Kommentieren besprechen, schriftlich festhalten und als Datei hinterlegen.
Da in der Arbeit der Einsatz eines Klassen-Weblog untersucht wurde, bin ich nochmals ins Grübeln gekommen. Ist dieses Vorgehen eventuell sinnvoller als jedem Schüler einen eigenen Blog zur Verfügung zu stellen? Darüber mache ich mir bereits seit einiger Zeit Gedanken. Über Erfahrungsberichte oder Hinweise zu entsprechenden Vergleichsuntersuchungen wäre ich daher sehr dankbar.
Meine zweite Lektüre war Cross, J. E. et al. (2009). Using Mixed-Method Design and Network Analysis to Measure Development of Interagency Collaboration, ein Artikel aus der aktuellen Ausgabe des American Journal of Evaluation.
Den Beitrag hatte ich mir vorgemerkt, da ich kurz mit dem Gedanken spielte, in Rahmen meines Dissertationsvorhabens auch eine Netzwerkanalyse zu machen, um neben der Selbsteinschätzung der Schüler noch weitere Daten zur sozialen Eingebundenheit zu bekommen. Inzwischen denke ich, dass dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Aber sollte ich nochmals auf das Thema zurückkommen, ist dieser Artikel zusammen mit
Frank, K. A. (1998b). Quantitative methods for studying social context in multilevels and through interpersonal relations. Review of Research in Education, 23, 171-216.
eine gute Ausgangsbasis. Denn ich bin nach wie vor dasvon überzeugt, dass die Anwendung von Netzwerkanalysen zur Untersuchung des Einsatzes von Web-2.0-Tools in Lehr-Lern-Szenarien ein spannendes Thema ist und interessante Erkenntnisse verspricht. Auch hier die Frage: Hat jemand bereits erste Erfahrungenin dem Bereich gesammelt oder kennt entsprechende Untersuchungen?
Bildquelle: flickr
Verfasst von crossyard