Nachtrag: Beitrag auf dem World Computer Congress 2010

2011/01/26

Der „World Computer Congress 2010“ in Brisbane liegt inzwischen bereits einige Monate zurück. Auch wenn große Teile der Tagung im Nachhinein durch die vielen Eindrücke meiner anschließenden Reise entlang der Australischen Ostküste verdrängt wurden, so habe ich die Veranstaltung in positiver Erinnerung. Das liegt zum einen an der echt professionellen Organisation sowie der tollen Location, zum anderen an den wirklich spannenden Beiträgen, die ich dort erleben durfte.

Besonders die Keynote „Toward a Just Digital Society“ von Richard Stallman hat mich nachhaltig beschäftigt (hier ein zusammenfassender Bericht aus der “itnews”). Dies lag allerdings weniger an Stallmans Ausführungen zu Chancen und Risiken einer digitalen Gesellschaft, als vielmehr daran, dass sie Anlass für mehrer – teils hitzige – Diskussionen außerhalb des Plenums bot. Insgesamt wurde beim “World Computer Congress” sowieso erstaunlich viel diskutiert. Erfreulicherweise nicht nur – wie ich in diesem Rahmen vermutet hätte – darüber, was heute durch Technologie alles machbar ist, sondern auch inwiefern diese Entwicklungen beziehungsweise zukünftigen Szenarien überhaupt wünschens- und erstrebenswert sind.

Im Rahmen der Session „Key Competencies in the Knowledge Society“ stellte ich einen gemeinsamen Beitrag von Mathias Krebs und mir über den damaligen Stand unserer Dissertationsprojekte zum Einsatz von Wikis und Weblogs im Schulunterricht vor.

Beim Aufräumen meines Schreibtisches bin ich heute über das „Assignment of Copyright“ gestolpert und habe mit Freude festgestellt, dass ich das Paper für den Konferenzband auch hier veröffentlichen darf, wovon ich hiermit gerne Gebrauch mache.


Signifikanz = Relevanz?

2011/01/13

Beim 11. Tag des wissenschaftlichen Nachwuchses, der Anfang Dezember hier an der Pädagogischen Hochschule Weingarten stattfand, habe ich erneut erste Zwischenergebnisse meines Dissertationsvorhabens präsentiert. Ich denke ich nehme nicht zuviel vorweg, wenn ich jetzt schon mal berichte, dass ich bisher keine signifikanten Veränderung der Lernermotivation durch den unterrichtsbegleitenden Einsatz von Weblogs in meiner Studie finden konnte… was ich persönlich auch nicht als wirklich dramatisch erachte.

Allerdings kam in der anschließenden Diskussion, wie bereits bei der Vorstellung von ersten Auswertungen an anderer Stelle, die Frage auf, wie ich denn nun gedenke weiter zu verfahren. „Wirkliche Ergebnisse“ hätte ich bisher ja noch nicht rausbekommen. Und das erachte ich dann schon eher als dramatisch. Es scheint so zu sein, dass in der wissenschaftlichen Welt nur signifikante Ergebnisse zählen. Was nicht signifikant wird ist kein „wirkliches Ergebnis“. Eine latente Grundhaltung, die mir auch in Gesprächen in anderem Kontext öfters auffiel. Und schaut man sich die Veröffentlichungen in den Journals an, so fällt auf, dass auch dort überwiegend signifikante Ergebnisse präsentiert werden. Ich erinnere mich, mal einen Untersuchung gelesen zu haben, in der genau dieses Phänomen untersucht wurde (leider kann ich den entsprechenden Link gerade nicht mehr finden). Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass vermutliche viele Forscher davor zurückschrecken, nicht signifikante Ergebnisse bei entsprechenden Journals einzureichen, da sie eh davon ausgehen, dass diese Beiträge abgelehnt werden.

So kommt jedoch die Gefahr auf, dass es zu gravierenden Fehlvorstellungen in einigen Forschungsbereichen kommen kann. Denn wenn ich auf meine bisherigen Studien zurückschaue und auch mit Kolleginnen und Kollegen rede, so sind nicht signifikante Ergebnisse zwar nicht die Regel, aber sicher keine Ausnahme. Verschwindet nun ein Großteil dieser Studien in den Schreibtischschubladen, so setzt sich eine Art Schweigespirale in Gang, die dazu führt, dass gewissen Zusammenhänge als mehrfach belegt angesehen werden, wobei sie eventuell nur in einer Minderheit der Studien tatsächlich aufgetreten sind. Oftmals – gerade in empirisch bisher wenig erforschten Themengebieten – ist eben „kein Ergebnis“ eine „wichtige Erkenntnis“.

Ich frage mich nun, ob a) nur ich das so sehe, b) jemand zufällig die oben erwähnte Studie kennt und mir nochmals den Link schicken könnte und c) wie man mit dem Problem umgehen sollte. Bei letzterem Punkte denke ich könnte das Social Web eine Reihe von Möglichkeiten bieten. Zum einen bieten Weblogs die Möglichkeit auch Studien zu publizieren, die in Journals nicht angenommen wurden und so die Gatekeeper-Funktion der Herausgeber zu umgehen. Zum anderen würde ich mir eine Art „Publikationsmülltonne“ wünschen, eine Art Datenbank, in der alle Veröffentlichungen, die in keinem der „renommierten“ Journals platziert werden konnten nach Themengebieten abgelegt, verschlagwortet und unter einer freien Lizenz verfügbar gemacht werden können. Dies ist allemal besser als die Arbeit einfach in der Schreibtischschublade verstauben zu lassen. Zum anderen könnte es als Ergänzung zu den Journalveröffentlichungen und sonstigen Publikationen helfen ein besseres und objektiveres Bild von den Forschungsergebnissen in einzelnen Themengebieten zu bekommen. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich die „Publikationsmülltonne“ ja zu einem wertvollen, freizugänglichen Archiv voller für die eigene Arbeit relevanter Erkenntnisschätze.

Bildquelle: Wikimedia Commons (Fotograf: Joadl)


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