Rückblick: Workshop „Auswertungsmethoden der Qualitativen Sozialforschung“

2010/03/07

Letzte Woche fand an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg ein zweitägiger Workshop zu „Auswertungsmethoden der Qualitativen Sozialforschung“ statt. Den Schwerpunkt legten die beiden Referentinnen Stephanie Bethmann und Debora Niermann dabei auf eine induktive Kategorienbildung nach dem rekonstruktiv-hermeneutischen Ansatz, wobei sie vor allem das von ihnen angewendete integrierte texthermeneutische Verfahren näher vorstellten.

Nachdem am ersten Tag zunächst die Kernprinzipien und die methodischen Grundlagen qualitativer Forschung vorgestellt wurden, beschäftigten wir uns intensiver mit den Differenzen und Gemeinsamkeiten von rekonstruktionslogischen und inhaltsanalytischen Verfahren. Nach dieser theoretischen Einführung ging es am Nachmittag um die Erstellung von Interviewleitfäden und Fragetechniken sowie um die Methodik des integrierten texthermeneutischen Verfahrens. Auswertungsheuristiken wie die Agency-, Positioning- und Metapheranalyse sowie das Paradigma der Verlangsamung wurden dann auch gleich an Textbeispielen eingeübt. Der zweite Workshoptag stand danach ganz im Zeichen des praktischen Arbeitens. In mehreren Arbeitsgruppen wurden Interviewtranskripte und Leitfäden der Teilnehmer analysiert und Verbesserungsvorschläge für das weitere Vorgehen gegeben.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich die beiden Tage wirklich spannend und erkenntnisreich fand, auch wenn das vorgestellte Vorgehen für meine Dissertation eher nicht das Mittel der Wahl sein wird. Der integrierte texthermeneutische Ansatz mag ein mächtiges Verfahren für spezifische Erkenntnisinteressen, zum Beispiel um Sozialstrukturen in Gruppen zu rekonstruieren, sein, ist aber auch sehr zeitintensiv. Für meine Fragestellungen wäre ein solches Vorgehen absolut überdimensioniert, zumal ich als Einzelkämpfer es gar nicht stemmen könnte. An zwei Zeilen Transkript haben wir in den Arbeitsgruppen gut und gerne mal 45 Minuten analysiert. Auch wenn das mit zunehmender Routine etwas schneller gehen mag, so stellte ich mir da die Reaktion meiner Kolleginnen vor, wenn ich ihnen 400 Seiten Transkript vorlege und um ihre Hilfe bei der Auswertung bitte :) Ich denke um solche Methoden anwenden zu können bedarf es auch eines geeigneten Forschungsumfelds und entsprechender Projektteams. Allerdings werde ich sicher bei der Kategorienbildung zukünftig wesentlich sensibler vorgehen und versuchen alternative Lesarten nicht vorschnell auszuschließen.

Die zweite wichtige Erkenntnis, die ich aus Ludwigsburg mitnehme ist, dass ich mich nochmals intensiver mit meinen Forschungsinstrumenten und dem Untersuchungsdesign beschäftigen muss. Zum einen erhielt ich in der Arbeitsgruppe am zweiten Tag zahlreiche konkrete Verbesserungsvorschläge zu meinen Interviewleitfäden – an dieser Stelle nochmals vielen Dank für die ganzen Hinweise – zum anderen hat mich die Diskussion daran zweifeln lassen, ob die Verknüpfung der quantitativen mit den qualitativen Daten in der bisher angedachten Art und Weise überhaupt sinnvoll ist. Aber hierauf gehe ich demnächst in einem gesonderten Beitrag nochmals genauer ein.

Letztendlich bleibt festzuhalten, es waren zwei interessante Tage in Ludwigsburg, die viele neue Fragen aufgeworfen und neue Erkenntnisse geliefert haben. Vielen Dank auch an die anderen Teilnehmer für die konstruktive und angenehme Arbeitsatmosphäre sowie natürlich an die Organisatoren Martina von Zimmermann und Prof. Niesyto.

Bildquelle: Flickr (Fotograf: gerhard.loub)


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