Interviewereffekte bei Schülerbefragungen

2011/11/29

In den letzten Wochen habe ich mich nochmals intensiver mit den im Rahmen meiner Dissertation durchgeführten Interviews beschäftigt. In dem Zusammenhang führten eine Kollegin und ich mit Schülerinnen und Schülern der Klassenstufe 7 und 8 Einzelgespräche, wobei als Orientierung zwar ein Leitfaden verwendete wurde, die Interviews jedoch kaum standardisiert abliefen.

Bereits bei der Vorbereitung auf die Gespräche hatten wir bedacht, dass die Person des Interviewers einen Einfluss auf den Gesprächsverlauf und vor allem das Antwortverhalten der Jugendlichen haben könnte. Entsprechend haben wir uns in den jeweiligen Interviews darauf konzentriert Fragen möglichst neutral zu stellen und auch bei Nachfragen keine Anworttendenz nahezulegen. Außerdem wurden die Schülerinnen und Schüler zu Beginn nochmals darauf hingewiesen, dass es bei den Fragen keine richtigen oder falschen Antworten gibt, sondern ihre persönliche Meinung interessant für uns sei.

Dennoch fiel mir schon bei der Transkription der Mitschnitte auf, dass viele Jugendliche im Verlauf des Interviews teilweise gegensätzliche – oder zumindest stark abweichende – Aussagen zu ein und demselben Sachverhalt machten. Daher schaute ich mir auch die Fragen der Interviewer nochmals genauer an. Allerdings konnte ich hier keine Auffälligkeiten oder gar tendenziöse Formulierungen erkennen. Von daher frage ich mich jetzt schon, wie es sich erklären lässt, dass einige Schülerinnen und Schüler innerhalb von 10 Minuten ihre Meinung so deutlich verändert haben?

Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass sie sich im Vorfeld der Interviews über die angesprochenen Aspekte noch keine Gedanken gemacht und entsprechend keine gefestigte Meinung zu diesen Sachverhalten hatten. Im Meinungsbildungsprozess kann es ja durchaus vorkommen, dass man seine Meinung ändert. Wenn das Thema dann in relativ kurzer Zeit mehrfach im Gesprächsverlauf auf den Tisch kommt, fallen die Antworten entsprechend unterschiedlich aus. Allerdings würde ich einen solchen Prozess eher bei kontroversen Fragestellungen vermuten, jedoch weniger bei der persönlichen Einschätzung der letzten Unterrichtseinheit oder Fragen zur allgemeinen Vorbereitung auf die Schulstunden.

Eine andere Erklärung könnte sein, dass die Fähigkeit eigene Meinungen zu präzisieren und zu verbalisieren bei Kindern im Alter von 13 bis 14 Jahren noch nicht so stark ausgeprägt ist, dass sie diese auch in einer solchen Gesprächssituation standhaft vertreten können. Für die meisten Schülerinnen und Schüler dürften die Interviews eine neue oder zumindest ungewohnte Situation sein. Dass hier Nervosität eine Rolle spielt ist nachvollziehbar. Wenn dann die einzige – mir fremde – Person im Raum noch Nachfragen stellt, könnte dies durchaus einen einschüchternden Einfluss haben und zu entsprechendem Antwortverhalten führen. Zumindest erscheint mir diese Erklärung bei den in diesen Interviews behandelten Themen plausibler als nicht abgeschlossene Meinungsbildungsprozesse.

Jetzt stellt sich die Frage, wie man dies künftig verhindern könnte? Wäre ein Gruppeninterview – mit allen Vor- und Nachteilen die dieses Gesprächsformat mit sich bringt – eventuell geeigneter, um Jugendliche in diesem Alter zu befragen? Oder verschlimmert die Anwesenheit der Peers das Problem womöglich noch zusätzlich?

Falls jemand ähnliche Feststellungen bei der Durchführung von Schülerinterviews gemacht hat, beruflich mit Kindern in Kontakt ist oder weiterführende Quellen zum Thema „richtige“ Befragungsform für gewisse Altersgruppen kennt, würde ich mich über einen Kommentar oder Kontaktaufnahme freuen.

Bildquelle: Flickr (Fotograf: Roberto Verzo)

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Der Schultrojaner als Chance für OER

2011/11/06

Eigentlich ist es schade, dass es einer so ungeheuerlichen und aberwitzigen Idee wie der Einführung eines Schultrojaners zur Überwachung der Einhaltung von Urheberrechten auf Schulservern bedarf, damit der dringend notwendige Diskurs über das aktuelle Urheberrecht und die Ausstattung unserer Schulen wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Das geltende Urheberschutzgesetz ist sicher alles andere als zeitgemäß und auch die (materielle) Ausstattung von Bildungsinstitutionen wird seit langem als unzureichend kritisiert. Nur geändert hat sich an diesen Missständen bisher kaum etwas, so dass viele Lehrpersonen zur Erfüllung der ihr übertragenen Aufgaben – nämlich möglichst allen Schülerinnen und Schülern eine bestmögliche Förderung und gleiche Bildungschancen zukommen zu lassen – quasi in die Illegalität gezwungen werden (mit welchen Problem ein Lehrer zu kämpfen hat, wenn er sich an die Vorgaben des Urheberrechts halten möchte, beschreibt Torsten Larbig hier anschaulich in seinem Blog).

Ein möglicher Weg diese Umstände zu beseitigen könnte der Einsatz von Open Educational Resources (OER) im Rahmen der formellen Bildung sein, wie er – so scheint es mir zumindest – in letzter Zeit immer stärker in den entsprechenden Communities diskutiert wird. Die UNESCO und das Commonwealth of Learning (CoL) sind auf dem Gebiet der Open Education aktuell sehr aktiv. Neben der Veröffentlichung eines Handbuchs zu „Open Access. Chancen und Herausforderungen“ (pdf), dem „Basic Guide to Open Educational Resources“ (pdf) sowie kürzlich dem Leitfaden „Guidelines for Open Educational Resources in Higher Education“ (pdf) steht nun der Start der UNESCO Open Educational Resources Plattform offenbar kurz bevor (sie sollte eigentlich Anfang November freigeschaltet werden, allerdings ist bisher nur die Ankündigungsseite erreichbar). Auf dieser Online-Plattform stellt die Organisation ihre Publikationen als OER der Öffentlichkeit zur Nutzung zur Verfügung. Ein anderes vielversprechendes Projekt – ebenfalls aus dem englischsprachigen Raum – ist die Open Course Library, wo Interessierte die Möglichkeit haben Lerneinheiten zu den verschiedensten Themen zu nutzen. Aber auch im deutschsprachigen Raum gibt es in dieser Richtung erste Initiativen. So wurde das erfolgreiche L3T-Lehrbuch-Projekt bereits mehrfach ausgezeichnet. Und auch die von Thomas Rau auf seinem Blog „Lehrerzimmer“ beschriebene Idee zur collaborativen Erstellung eines digitalen Schulbuches (erste Überlegungen zu einer möglichen Realisierung beschreibt er hier) scheint mir vielversprechend.

Ich denke, dass OER eine interessante Entwicklung ist, die das Bildungssystem positiv verändern kann und auch den beteiligten Akteuren Vorteile bringen wird; den Schulträgern mehr Handlungsspielraum bei knappen finanziellen Ressourcen, den Lehrkräften mehr Rechtssicherheit und den Schülerinnen und Schülern aktuelles und in ausreichender Menge vorhandenes Unterrichtsmaterial. Daher bleibt zu hoffen, dass die aktuelle Debatte rund um den Schultrojaner sich nicht nur auf das Beschweren über offensichtliche Missstände beschränkt, sondern auch die Chance genutzt wird, die Aufmerksamkeit der (bildungs-)politischen Entscheider auf das Thema Open Education sowie die oben genannten Beispiele zu lenken. Dann könnte ich dem unsäglichen Vorstoß der Kultusministerkonferenz und der Schulbuchverlage im Nachhinein vielleicht doch noch etwas positives abgewinnen. Denn…

The Future of Education is open

… und das ist auch gut so!

P.S. Bei der Gelegenheit noch eine (arbeits-)rechtliche Frage, die ich mir bisher nicht beantworten konnte. Aber vielleicht kennt sich ja jemand der das hier liest auf dem Gebiet aus. Wer würde denn beim Fund von urheberrechtlich geschütztem Material auf einem Schulserver haften? Die scannende Lehrperson, der Dienstherr oder der Schulträger?


Stelle als Akademischer Mitarbeiter (50%) für Mediendidaktik an der PH Weingarten

2011/10/24

In der Arbeitsgruppe „Medien- und Bildungsmanagement an der Pädagogischen Hochschule Weingarten ist zum 15. Dezember 2011 eine 50%-Stelle als Akademischer Mitarbeiter bzw. Akademische Mitarbeiterin zu besetzen. Zu den Aufgaben gehören neben vier Semesterwochenstunde Lehre im Studiengang „Medien- und Bildungsmanagement“ vor allem die Mitarbeit am Forschungsprojekt „Medical Education – Lehren und Lernen in der medizinischen Aus- und Weiterbildung“.

Alle weiteren Informationen sowie die Kontaktdaten für die Bewerbung finden ihr in der Stellenausschreibung.

Falls ihr euch auf die Stelle bewerbt und diese antreten solltet, seid nett zu meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen… sie haben es verdient 🙂


11./12. November 2011: Open Data Barcamp und Hackday in Friedrichshafen

2011/10/18

Eigentlich wollte ich meine Barcamp-Jungfräulichkeit schon längst verloren haben und war mir ziemlich sicher, dass dies bei einem Camp rund ums Themenfeld „Lehren und Lernen (mit Medien)“ geschehen wird. Aber nachdem es terminlich bisher weder mit einer Teilnahme bei einem der Educamps noch mit dem CorporateLearningCamp geklappt hat, wird sich mein erstes Barcamp wohl mit der Frage nach der sinnvollen Verwendung öffentlich zugänglicher Daten beschäftigen.

Am 11. und 12. November 2011 veranstaltet das Deutsche Telekom Institute for Connected Cities (TICC) der Zeppelin Universität gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg ein zweitägiges Treffen im Stil von Barcamp und Hackday zu den Möglichkeiten der Nutzung offener Daten. Ziel der Veranstaltung ist es zu zeigen, dass sich innerhalb kurzer Zeit und ohne großes Budget kreative und innovative Prototypen und Anwendungen programmieren lassen, mit denen man die Daten aus Politik und öffentlicher Verwaltung zugänglich und nutzbar machen kann.

Los geht es am Freitag den 11. November mit einem Barcamp zur Orientierung, Information und Austausch zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Hier können erste Konzepte entwickelt werden, die dann am folgenden Tag beim Hackday in konkrete Anwendungen und/oder Websites umgesetzt werden sollen.

Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger, engagierten Programmierer, Webentwickler, Grafik- und UI-Designer, Wissenschaftler, Journalisten oder sonstige Personen, die sich mit der Frage der sinnvollen Nutzung öffentlicher Daten beschäftigen wollen, sind herzlich eingeladen sich an der Veranstaltung aktiv zu beteiligen und ihre Ideen einzubringen.

Weitere Informationen und die Anmeldung findet man unter

http://hackday.friedrichshafen.de


Neue Herausforderung am See

2011/10/18

Nach vier Jahren als Promotionsstipendiat in der Arbeitsgruppe Medien- und Bildungsmanagement an der Pädagogischen Hochschule Weingarten habe ich mein Büro in Schlossnähe gegen einen Arbeitsplatz am Seeufer getauscht. Seit dem 15. September 2011 bin ich nun Akademischer Mitarbeiter am Deutsche Telekom Institute for Connected Cities (TICC) der Zeppelin University Friedrichshafen. Hier werde ich mich primär mit der wissenschaftlichen Begleitung verschiedener (Teil-)Projekte rund ums Themenfeld „Blended Learning 2.0“ im Rahmen der T-City Friedrichshafen beschäftigen.

Der Abschied von der PH ist mir nicht leicht gefallen. Den Studiengang, die Studierenden und die Kollegen werde ich sicher vermissen, haben sie mich doch in den vergangen vier Jahren durch etliche Höhen und Tiefen begleitet. Und davon gab es einige. Gerade zu Beginn war es für mich als Medienwissenschaftler nicht immer einfach mich im neuen, eher pädagogisch-psychologisch geprägten Umfeld zu Recht zu finden. Aber im Rückblick muss ich sagen war es eine wirklich sehr lehrreiche und spannende Zeit, in der ich mich sowohl fachlich als auch persönlich weiterentwickelt habe.

Danke nochmals an alle Personen, die ich auf diesem Weg getroffen und die mich unterstützt haben. Ich hoffe wir bleiben weiterhin in Kontakt, auch wenn ich mich nun erst mal auf meine neuen Herausforderungen am See konzentriere.

Bildquelle: Flickr (Fotograf: tericee)


Gastbeitrag von Jana Tuncer: Aufwachsen im Wald…

2011/08/19

Auch wenn ich hier im Blog bisher nichts zum Thema „Waldkindergarten“ geschrieben habe, interessiert mich diese Form der pädagogischen Erziehung schon seit längerem. Vor allem die Frage ob und wenn ja in welchem Rahmen man in solchen Einrichtungen auch medienpädagogische Projekte einbinden kann. Im vergangenen Semester habe ich hierzu zwei Bachelorarbeitsthemen ausgeschrieben und freue mich, dass offensichtlich auch Studierende sich hierfür begeistern konnten. Eine der Arbeiten wurde letzten Monat abgeschlossen. Die Ergebnisse fand ich wirklich interessant und viel zu schade, um im Keller der Hochschulbibliothek zu verstauben. Da eine andere Form der Veröffentlichung bisher noch nicht in Aussicht ist, freue ich mich, dass Jana Tuncer sich bereiterklärt hat hier eine kurze Zusammenfassung zu veröffentlich. Hier ist er also, der erste Gastbeitrag auf Crossyard 2.0.

Einstellungen von Erziehungsberechtigten zur Wertevermittlung und zur Realisierung medienpädagogischer Projekte im Kontext von Waldkindergärten

Mit dem Begriff der Früherziehung werden familiale, pädagogische und besonders  institutionelle Formen der Erziehung und Betreuung von jungen Kindern angesprochen. Grundlegend gilt, dass die Wahl der Institution für die weitere Entwicklung des Kindes von besonderer Bedeutung ist. Innerhalb dieser Jahre werden wesentliche Grundlagen für die geistige, körperliche und seelische Entwicklung gelegt, die für die Herausbildung einer eigenverantwortlichen und sozialfähigen Persönlichkeit die Basis bilden. Kindergärten versuchen durch ihr vielfältiges Angebot diesen Anforderungen an die Früherziehung gerecht zu werden. In diesem Zusammenhang tritt zunehmend die Diskussion in den Vordergrund, welche  Bedeutung der Medienerziehung bereits in der Elementarbildung zugeschrieben wird.

Das Konzept des Waldkindergartens gilt als Gegenentwurf zu traditionellen Regelkindergärten und vereint verschiedene pädagogische Ansätze, jedoch existieren medienpädagogische Elemente bisher noch nicht in deren Konzeptionen. Eine Initiierung medienpädagogischer Projekte erfordert in diesem Kontext ein hohes Maß an Akzeptanz, vor allem bei den Erziehungsberechtigten. Fraglich ist in diesem Zusammenhang, wie diese zur Medienwelt stehen und welche grundlegenden Wertvorstellungen sie sich in der Früherziehung der Kinder vermittelt wünschen.

Im Rahmen der Bachelorarbeit wurden Erziehungsberechtigte hinsichtlich ihrer Wertvorstellungen und derer, die sie sich im Waldkindergarten vermittelt wünschen – mit dem Fokus auf Medien – befragt. Angestrebt wurde eine darauf aufbauende Typisierung der Erziehungsberechtigten bezüglich dem Grad an Zustimmung zum Einsatz von Medien im Waldkindergarten.

Wesentliche Erkenntnisse aus der Waldkindergartenpädagogik, der Medienerziehung sowie der Werteerziehung bildeten neben der Vorstellung von bestehenden  Einstellungstypisierungen die theoretische Grundlage dieser Arbeit.

Um der Fragestellung der Bachelorarbeit nachzugehen wurden die Daten mittels eines Leitfadeninterviews mit Erziehungsberechtigten (N=11) erhoben und anschließend einer Inhaltsanalyse nach Mayring unterzogen. Die Erziehungsberechtigten wurden aus Waldkindergärten der gesamten BRD rekrutiert indem versucht wurde durch E-Mails an die jeweiligen Vorstände der Kindergärten den Kontakt zu den Erziehungsberechtigten herzustellen, um diese anschließend persönlich auf das geplante Vorhaben anzusprechen.

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Werte, die sich Erziehungsberechtigte im Waldkindergarten vermittelt wünschen, zu großen Teilen den in der Literatur aufgeführten Zielen und Leitgedanken der Waldkindergartenpädagogik entsprechen. Anhand der Datenauswertung lassen sich diese zu den folgenden zusammenfassen:

  • Naturerfahrungen und Umwelterziehung (81,2%)
  • Sozialverhalten (63%)
  • Körper- und Bewegungserziehung (27%)
  • Abhärtung (18%)
  • Kreativität fördern (18%)
  • Schulung der Sinne (9%)

Als weiteres Ergebnis der Arbeit konnten aufgrund ihres Grads an Zustimmung oder Ablehnung zum Medieneinsatz im Waldkindergarten drei Typen von Erziehungsberechtigten unterschieden werden.  Die drei Einstellungstypen wurden auf der Grundlage von zwei Kategorisierungsschritten bei der Datenauswertung in den Bereichen „Einsatz von Medien in der Elementarbildung“ und „Einsatz von Medien im Waldkindergarten“ ermittelt.

Die meisten Erziehungsberechtigten (55%) lassen sich dem bedingt aufgeschlossenen Typ zuordnen. Dieser zeichnet sich einerseits durch dessen bedingte Aufgeschlossenheit gegenüber medienpädagogischen Projekten in der Elementarbildung allgemein aus sowie durch dessen bedingte Aufgeschlossenheit gegenüber dem Einsatz von Medien im Waldkindergarten. Bedingungen die in diesem Zusammenhang genannt wurden sind ein adäquater Einsatz der Medien entsprechend der Umgebung des Waldkindergartens und eine Orientierung der Medien an den Bedürfnissen der Kinder.

Rund 36% der Erziehungsberechtigten lassen sich dem ablehnenden Typ gegenüber medienpädagogischen Projekten des Waldkindergartens zuordnen. Dieser Einstellungstyp lehnt nicht nur den Einsatz von Medien im Waldkindergarten ab, sondern ist gegenüber dem Einsatz von Medien in der Elementarbildung allgemein abgeneigt. Die ablehnende Haltung wurde vor allem damit begründet, dass medienpädagogische Projekte dem Konzept des Waldkindergartens widersprechen und schwer in die Umgebung des Waldes zu integrieren sind. Einen weiteren Anlass medienpädagogische Projekte im Waldkindergarten abzulehnen bot die Begründung, dass Kindergartenkinder noch zu jung für den Einsatz von Medien sind und beispielsweise zwischenmenschliche Erfahrungen im Vordergrund stehen sollten. Hier wurden Medien eher als Beeinträchtigung originärer Erfahrung gesehen.

Letztlich konnte noch der befürwortende Typ von medienpädagogischen Projekten im Waldkindergarten ausgemacht werden, welchem ausschließlich 9% der Erziehungsberechtigten zuzuordnen sind. Dieser Typ ist sowohl gegenüber dem Einsatz von Medien in der Elementarbildung als auch gegenüber dem Einsatz von Medien im Waldkindergarten aufgeschlossen. Die Befürwortung des Medieneinsatzes in der Elementarbildung allgemein und speziell im Waldkindergarten basiert auf der Ansicht, dass Kinder bereits im Vorschulalter auf den späteren Einsatz von Medien vorbereitet werden sollten, da der Kontakt mit Medien letztlich nicht verhindert werden kann. Dieser Einstellungstyp argumentiert weiter, dass der Einsatz von Medien insofern zur Entwicklung eines Kindes beitragen kann, dass es nur durch eine frühe Medienerziehung am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann und durch das Ausbleiben der Medienerziehung im Zweifelsfall in der heutigen Medienwelt die Orientierung verliert.

Mit dieser Studie wurde ein erster Ansatz gelegt, um zu ermitteln inwiefern sich ein Waldkindergarten als Rahmen für den Einsatz medienpädagogischer Projekte eignet, wobei der Fokus hierbei auf der Ebene der Erziehungsberechtigten lag. Zur endgültigen Beantwortung dieser Frage sind noch Betrachtungen auf weiteren Ebenen – beispielsweise die Einstellung der Erzieherinnen und Erzieher in solchen Einrichtungen – notwendig.

Insgesamt war die Durchführung dieser Studie sowie das Verfassen der Bachelorarbeit eine schöne und erkenntnisreiche Erfahrung für mich. Nicht nur die Ergebnisse an sich oder die Erweiterung meiner Kompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten, sondern auch gleichermaßen die Erkenntnis, dass meine Kinder später den Waldkindergarten besuchen werden, veranlassen mich zu diesem positiven Fazit.

Bildquelle: Wikimedia Commons (Fotograf: Gregor Sticker)


JUnQ – Gute Idee mit Optimierungspotential

2011/08/14

Heute Morgen stolperte ich bei Spiegel-Online über einen Artikel mit der Überschrift „Magazin des Scheiterns: Hier schreiben die Wissenschaftsversager“. In dem Beitrag wird das „Journal of Unsolved Questions“ (JUnQ) vorgestellt, welches von zwei Doktoranden an der Universität Mainz gegründet wurde und aus einem Workshop der dortigen Graduiertenschule „Material Science“ hervorging.

Ich weiß jetzt nicht, ob einer der Workshop-Teilnehmer meinen Blogbeitrag gelesen hat, in dem ich meine Gedanken zu einer „Publikationsmülltonne“ festhielt, aber jedenfalls hatte ich eine Art Déjà-vu. Denn genau wie bei meinen Überlegungen ist das JUnQ eine Plattform zur Veröffentlichung von Forschungsvorhaben, deren Ergebnisse keine Schlüsse zulassen oder bei denen sonst irgendetwas schief gelaufen ist. Also eine Möglichkeit Ergebnisse zu publizieren, die in keinem der „renommierten“ Journals gedruckt würden, für weitere Untersuchungen jedoch durchaus relevant sein könnten, um bereits gemachte Fehler nicht zu wiederholen.

Zunächst hat mich bei dem Spiegel-Artikel etwas irritiert, dass dort von Druckkosten die Rede war. So befürchtete ich gleich, dass es sich um eine kostenpflichtige Zeitschrift handelt, man also die Forschungsergebnisse zwar aus den Schubladen der Wissenschaftler ans Tageslicht befördert, aber gleich wieder hinter einer Kostenmauer versteckt. Aber Gott sei Dank ist dem nicht so. Es gibt zwar eine kostenpflichtige Printausgabe in kleiner Auflage, allerdings sind alle Ausgaben – und weitere Beiträge – auch auf der Website der Zeitschrift kostenlos erhältlich. Insgesamt also echt eine tolle Sache, die aber durchaus noch Verbesserungspotential besitzt.

Zum einen würde ich mir eine engere Verknüpfung der eigentlichen Zeitschrift mit der Website wünschen, so dass auch die Möglichkeit besteht, neben einem Paper zum Forschungsvorhaben weitere Dokumentationen, Erhebungsinstrumente oder gar Datensätze frei zugänglich zu machen. Am Besten natürlich unter einer entsprechenden Lizenz, die eine weitere Verwertung durch die Community erlaubt.

Zum anderen verstehe ich nicht, weshalb es einen Review-Prozess gibt, bei dem alle eingereichten Beiträge durch zwei Experten auf dem entsprechende Forschungsgebiet begutachtet werden. Was sind denn hier die Kriterien für eine Aufnahme in das Journal? Das etwas noch schiefer lief als bei einem anderen Projekt? Hier fände ich ein Open Peer Review unter Einbeziehung der Community wesentlich hilfreicher. Zwar mag in der gedruckten Zeitschrift nicht für alle eingereichten Beiträge Platz sein, so dass hier eine Auswahl getroffen werden muss, aber im Netz ist dies bekanntlich kein Problem. Durch eine Öffnung könnten  hier viel  mehr „verkorkste“ Studien publik gemacht und somit aus viel mehr Fehlern gelernt werden.

Und da aller guten Wünsche bekanntlich drei sind, wäre eine verbesserte Suchfunktion auf der Website wünschenswert beziehungsweise bei einer Berücksichtigung der beiden vorherigen Verbesserungswünsche auch notwendig. Hier stelle ich mir vor, dass man die Inhalte nach Fachgebieten, Methoden und Schlüsselwörtern filtern und durchsuchen kann, so dass jeder schnell zu den für ihn interessanten Inhalten gelangt.

Wie gesagt, ich denke das JUnQ ist eine gute Idee und ich freue mich, dass hier ein Versuch unternommen wird, um auch das „Scheitern in der Wissenschaft“ – wobei ich eher von Lernanlässen sprechen würde – öffentlich zugänglich zu machen und Fehlvorstellungen durch den „publication bias“ entgegenzuwirken. Allerdings denke ich, dass die Umsetzung durchaus ausbaufähig ist. Die oben genannten Wünsche sollten technisch kein Problem darstellen und – gerade auch mit Unterstützung des Stiftverbands für die Deutsche Wissenschaft – finanziell realisierbar sein.

Ich bin jedenfalls gespannt wie es weitergeht und hoffe, dass sich auch das themtische Spektrum noch etwas weiten wird. Heute Abend werde ich jedenfalls noch etwas in den bisher erschienen Veröffentlichungen stöbern. Denn mal ehrlich, wer von uns hat sich noch nie die Frage gestellt, ob Zwergschimpansinnen Orgasmen vortäuschen 🙂

Bildquelle: Wikimedia Commons (Fotograf: Joadl)